
a mysterious island on the german coast in the Baltic Sea. Cute little villages,
old gravehills, bewitched forests, long white beaches and sharp chalk cliffs...
An island to discover, a place to find silence.

Wie das sie umgebende Meer, ist die Geschichte der Seebrücke von Sellin wechselhaft und launisch. Von den sonderbaren und dramatischen Ereignissen ihrer Vergangenheit zeugen alte Fotografien in der Halle, die man gesehen haben sollte.


Ein Strandhaus für das Sandmännchen: Die meisten Hinterlassenschaften der DDR gehen auf Rügen langsam zu Bruch. Dieses ovale Betonei hat die Wende überlebt und kündet am Strand von Binz vom einstigen Schönheitsverständnis des Proletariats. Stilgerecht hat ein Genosse sein altes Fahrrad aus volkseigener Produktion davor angekettet.

Wenn der
Wanderer dich erschaut, blickt er in eine Tiefe der Schönheit, wie wenn
er in dem Hochlande der Karpathen einen See zu seinen Füßen hat...
Die Wellen aber rauschen unaufhörlich an das Ufer und ist es auch nicht
der köstliche Bernstein, den sie an das Land spülen, so ist es doch
die Sage, das geheimnisvolle Leben und Weben der Geister, was der Wanderer
aus dem Gemurmel der Wellenstimmen vernimmt.
Louis Passarge in seinem Reisebericht von 1878 über (oder besser) an
Rügen.


Über ganz Rügen sind diese hübschen Fischer- und Bauernhäuser verstreut. Dieses hier steht in Groß Stresow, einem kleinen Dorf am Bodden, fern der Touristenströme. Seine Türen, Rahmen und Mauern spiegeln die Farben des Himmels wider, blau und weiß. Den Zwergen dürfte der Besen an der Tür ein Dorn im Auge sein!

In Stralsund verstecken sich die hübschesten Häuschen hinter der Stadtmauer am Knieper Tor. Wer hier um die Ecke biegt bleibt erstaunt in einem verwunschenen Gässchen stehen, das erst langsam aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.

Ein Dorf wie aus einem Bilderbuch; Nistelitz. Wuchtige Steine säumen die holperige Dorfstraße und ab und zu lugt ein altes Häuschen hinter den Bäumen vorsichtig hervor. Schweinchen Babe wäre hier glücklich geworden.

Der Himmel über dem Himmel und das ist kein Scherz. Diese Aufnahme wurde auf einem der wohl schönsten Hügelgräber von Rügen gemacht, das der Volksmund "Himmel" getauft hat. Wer hier war wird es verstehen. Casper David Friedrich hatte seine windzerzausten Eichen mit Pinsel und Farbe festgehalten und noch ein Steingrab oben drauf gesetzt.


Auf den Blocksbergen treffen sich in den Nächten die Hexen, so künden es die alten Schriften und Sagen. Auf Rügen gibt es nur einen davon; ein verborgener Hügel mit einem Steingrab auf seiner Kuppe. Der Ort ist eigenartig, denn er zeigt sich nicht jedem, doch die Hex wird ihn zu finden wissen.


Was draußen war scheint drinnen nun. Mit den Jahren haben sich grüne Ranken um die gotischen Fenstersäulen gewoben. Ein ferner Himmel greift durch das rote Skelett in die Abtei. Er bringt dem Kloster die Stille, über die einst Mönche wachten. Dem Zerfall gibt er ein Leben. Die alte Hansestadt Stralsund ist reich an solchen Momenten.



Diese beiden prächtigen Löwen säumten wohl einmal die Einfahrt zum Schlosspark von Putbus oder den Eingang zum Schloss selbst. Heute warten sie hinter der Orangerie auf ihre Versetzung.


Im Schlosspark
zu Putbus findet sich diese prächtige Gruft. Sie wirkt wie die Kulisse
für eine Schauergeschichte von Poe oder Lovecraft. Doch seitdem das Schloss
gesprengt und die Ahnherren vertrieben wurden ist diese Stätte verwaist.
Die letzte Gräfin hatte 1945 unter den Bodenplatten einen Schatz verstecken
lassen, damit er nicht den heranrückenden Russen in die Hände fiele.
Das war eine weise Entscheidung, denn das Schloss wurde gründlichst geplündert,
auch von den Einheimischen. Die Gräfin hätte den Schatz unter den
Geistern ihrer Vorfahren wohl behütet wissen können, wenn sie das
Vergraben persönlich übernommen hätte. Das Versteck wurde von
ihren Helfern wenig später verraten. Dem Gesinde sollte man halt nimmer
trauen ;-)
Die
Feuer von Arkona
Rügen verbürgt für sich den rechtmäßigen Anspruch
als letzter Ort Deutschlands christianisiert worden zu sein. Hier lebte einst
der stolze Stamm der Ranen, von denen Adam von Bremen in seiner Hamburgischen
Kirchengeschichte 1075 schreibt: Von den Inseln an der Slawenküste habe
ich drei als bemerkenswert nennen hören:... die zweite, den Wilzen gegenüber,
gehört den Ranen (oder Runen), einem besonders tapferen Geschlecht, ohne
deren Zustimmung in öffentlichen Dingen nichts Verbindliches geschehen
darf; so achtet man sie wegen ihrer engen Verbundenheit mit den Göttern
oder vielmehr Dämonen, denen sie mit stärkerer Verehrung dienen
als alle anderen Stämme...
Arkona heißt heute die abgelegene Festung im Norden der Insel, hoch
gelegen über den steilen Kreideklippen schiebt sich ihr hell glänzender
Bug in die ewige Brandung der See. Hinter dem Wall der Burg stand einstmals
ein Tempel der Ranen, geweiht dem weißen Swantewitez (auch Svantevit
genannt), den Gott der Ernte und der harten Beständigkeit. Seinem Auge
entging keine Tat und kein Wort, das er nicht vernahm, denn mit vier Gesichtern
sah er alles in den vier Richtungen dieser Welt. Er sah auch das Verborgene,
jene Dinge, die waren und jene, die kommen werden. Seine Priester weissagten
aus seinem Horn, dem Blut der Opfertiere, den Runen und dem weißen Ross
des Gottes, das ihm zu Ehren weder geritten, noch anderswie von Menschen genutzt
werden durfte. "Aus allen Ländern der Slawen werden dort Orakel
eingeholt und jährlich Opfer dargebracht", so schrieb es der Chronist
Helmold. Rügen war die letzte große Zuflucht der slawischen Heiden.
Am Tage des 15. Juno anno 1168 gelang es den Kreuzfahrern aus Sachsen und
Dänemark, was in den Jahren zuvor schon mehrfach vergeblich versucht
wurde, sie überrannten die Jaromarsburg (heute Arkona) und brachten damit
den bedeutsamsten Tempel der Ranen in ihre Gewalt. Am selben Tage noch wurden
1300 Ranen getauft. Der 15. Juni ist auch der Tag des Sanctus Vitus (auf Deutsch:
Sankt Veit). Sein Name klingt dem lateinischen des gefallenen Slawengottes
(Svanctus Vitus) so ähnlich, dass dieser Heilige seine Nachfolge antrat.
Überall, wo die Slawen ihren alten Göttern abschwörten oder
abschwören mussten, erhoben sich Kirchen auf den alten Kultplätzen,
die dem heiligen Vitus geweiht waren.
Die späte Bekehrung der Ranen und die abgelegene Lage der Insel ließen
viele Legenden und heidnische Traditionen die Jahrhunderte überdauern.
Sobald man heute den Rügendamm überquert hat und je tiefer man in
die Insel vordringt, um so mehr spürt man eine Veränderung. Die
Bäume scheinen hier dichter zu stehen, sie wispern. Oft trifft man auf
Steine an den Gemarkungen, die in Form und Aussehen Tieren gleichen. Viele
dieser Steine tragen eigene Namen und eigene Bräuche. Von überall
sieht man das Meer oder man spürt seinen Atem, seine stete Anwesenheit.
Der Wind weht hier anders als auf dem Festland und der blaue Himmel ist zerpflückt
mit Wolken. Im nächsten Moment aber ändert er sich und strahlt weiß,
fast so hell wie der Strand oder die Klippen am Meer. Immer noch halten die
weißen Götter ihre Hand über dieses Land.
Die Sage erzählt, dass vor einigen Jahrhunderten die Unterirdischen die
Insel Rügen verließen, da für sie kein Segen mehr im Lande
war, seit die Menschen angefangen hatten, Brot und Getreide zu kreuzen und
den Besen aufrecht mit dem Stiel nach unten in die Ecke zu stellen. Damals
setze sie der Fährmann in Gleiwitz über und er ruderte wohl die
ganze Nacht, sah aber nicht wen oder was er an das andere Ufer brachte, da
Zwerge für den Menschen unsichtbar bleiben. Heute ehren die Menschen
die Behausungen der Zwerge; die Wälle, Hünengräber und Hügel
der Vorzeit. Sie schützen sie und betrachten sie mit Respekt. Wer stellt
schon noch den Besen verkehrt herum in die Stube, um die Unterirdischen fernzuhalten?
Auch sprach niemand davon, dass die Elfen die Insel verließen. Die weißen
Frauen (de witten Wiwer) warten auf den vom Meer umspülten Steinen auf
den kommenden Morgen, gleich den weißen Prinzessinnen in den Höhlen
und Burgwällen der Insel. Ihr Gewand ist der Nebel, ihr Schmuck der Glanz
der über dem Meer aufgehenden Sonne. Sie waren nie fort, es fehlte nur
der Glaube an sie. Rügen ist ein den Elfen geweihtes Land, eine heilige
Insel, so wie es einst Helgoland war.
Die Feuer von Arkona sind nie erloschen, dort brennt das Seelenlicht der Insel.
Es weist nicht nur den Schiffen des Nachts den Weg. Heute steht vor dem Wall
der Burg wieder ein hölzernes Standbild des Gottes Swantewitez. Eine
neue Zeit hat die Heiden zurück ins Land gebracht. Sie warten auf den
Tag, an dem ein ungebändigtes, weißes Ross seine Hufe auf den Boden
von Arkona setzen wird.
Hel Starkall Rahr